Magische Momente – Angkor – Magic Moments

Es ist 5.20 Uhr. Magische Stille. Aus dem Dschungel ringsum ist nur das Gezwitscher der Vögel zu hören. Es ist fast noch dunkel. Ich bin allein. Allein in Bayon, einer der faszinierendsten Tempelanlagen der ohnehin so beeindruckenden, so unzähligen Tempelanlagen um Siem Reap. Bin allein mit diesen majestätisch thronenden Antlitzen von so seltsamer Schönheit. Langsam geht die Sonne auf…
Auch mehr als dreißig Jahre Krieg und das Terrorregime von Pol Pot haben es nicht vermocht die alten kambodschanischen Tempel um Angkor in Schutt und Asche zu legen. Im Lauf des letzten Jahrzehnts sind diese heiligen Stätten wieder zu einer der größten Touristenattraktionen in Südostasien geworden.

Es war ein langgehegter Traum Angkor zu besuchen und als ich dort endlich in diesen grandiosen Bauwerken stand, war ich auf eine Art überwältigt, die ich mir nicht hatte vorstellen können.

Angkor bleibt ein magischer Ort, auch wenn man ihn mit Tausenden von Touristen teilen muss. Es ist schön, dass der Herdentrieb und die Gewohnheiten der Menschen es mir immer wieder ermöglicht haben fast allein in Tempeln zu sein, die ein wenig abseits der touristischen Hauptachsen lagen. Um die Mittagszeit versinkt sogar  Angkor Wat, der größte Menschenmassenmagnet, in einem bleiernen Dämmerschlaf und wenn man die Gluthitze erträgt, muss man diese grandiose Anlage nur mit wenigen anderen teilen.  Denn es ist heiß in Siem Reap, so heiß wie in Vietnam im Moment, um die 35° C, oft mehr,  bei einer Luftfeuchtigkeit um die 100%.
Für die Jüngeren unter meinen Lesern, die vielleicht noch nicht von Angkor gehört haben, sei angefügt, dass der Film Tomb Raider u. a. in den Tempelanlagen von Ta Prohm gedreht worden ist.


Die Auswahl der Fotos ist mir schwergefallen, habe ich doch Hunderte gemacht in meinen Tagen in Angkor. Ich mache garnicht erst den Versuch euch die Namen der unzähligen Tempel zu nennen, bin doch selbst  schon nicht mehr in der Lage all meine Bilder ihren Entstehungsorten richtig zuzuordnen. Jede in Stein gehauenen Apsara – Tempeltänzerin – sieht anders aus und doch sind diese wunderbaren Abbildungen so zahlreich, dass es meine Auffassungsgabe schlicht überfordert. Wo auch immer ich sie sah, war ich von ihrer Schönheit überwältigt. Wenn Steinmetzarbeiten die Filigranität eines Seidenstoffes darstellen können, so empfinde ich dies als außergewöhnlich.

Es spielt kaum eine Rolle, wie sehr man sich auf einen Besuch vorbereitet hat oder wie viele Bilder man von Angkor gesehen hat. Mit nichts ist die Erfahrung zu vergleichen, da mitten im Dschungel in diesen Tempelruinen zu stehen.

Auch wenn viele der Tempel dem Kampf mit der Natur unterlegen sind, man mitunter nur noch grandiose Ruinen durchwandert, so sind die Tempel auch weiterhin von einer Vielzahl von Mönchen belebt. Religion ist hier auf schöne Art sehr lebendig.

Als ich das erste Mal staunend die Säulengänge und  an den filigranen  Wandbildhauereien entlangschritt, die die Vergangenheit wie in einem Bilderbuch lebendig werden lassen, habe ich mich gefühlt, als ob sich meine Wahrnehmung der Zeit verändert hat, als wäre sie elastisch geworden, als flöße sie nicht mehr linear.

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Tôi đi xe buýt ở Hà Nội – Busfahren in Hanoi

Nun habe ich lange nichts veröffentlicht, dafür habe ich mich in den letzten fünf Wochen in fünf Ländern aufgehalten: Vietnam, Thailand, Deutschland, Spanien und Kambodscha. Doch davon später mehr. Jetzt bin ich wieder in der Stadt, in der ich nun mittlerweile ohne zu Überlegen in einen Bus steigen kann und weiß, wohin er mich tragen wird. Ich finde es herrlich, dass ich mich hier jetzt auskenne und eben nicht als Tourist durch die Gegend stolpere und mir die Ortsnamen auf Haltestellenschildern keine böhmischen, äh vietnamesischen Dörfer mehr sind.

Egal ob in Europa, in Vietnam oder anderswo auf der Welt, der öffentliche Nahverkehr eignet sich zumeist überall perfekt um Städte kennenzulernen. In China hat es ein wenig gedauert, bis ich mich traute, denn ein paar Schriftzeichen waren schon nötig um den Fahrten eine Richtung zu geben. In Hanoi dagegen habe ich mich gleich mit dem Busfahren vertraut gemacht, wie ihr wisst. Laufen ist bei der Größe der Stadt ein zeitintensives Unterfangen und lohnt sich eher für Entdeckungstouren.
Natürlich gäbe es auch andere Transportmöglichkeiten. Ich könnte öfter auf den Fahrer zurückgreifen, mehr Taxi fahren, mir ein Moped zulegen oder Motorradtaxi – xe om – fahren. All diese Transportmittel sind jedoch nur dazu gut, schnell von einem Fleck an den anderen zu kommen. Man ist in der Regel für sich allein und erhascht nur einen schnellen Blick auf die Straße, fährt meist eine bekannte, möglichst kurze Strecke ab. Taxifahren ist mir auf Dauer zu nervig, mehr als 50 % der Taxifahrer sehen in Tâys, Ausländern also, ein willfähriges Opfer. So finden die Jungs, bisher hatte ich erst ein einziges Mal eine Frau am Steuer, oft ganz neue Umwege, das nervt besonders, wenn man sich auskennt, denn so kann man nicht vor sich hindösen, wenn man nicht Opfer eines modernen Raubritters werden will. Unangenehme Diskussionen mit betrügerischen Taxifahrern verderben mir derart die Laune, dass ich nur noch die Taxis von drei empfohlenen Taxiunternehmen auswähle. Dabei wird es sicher auch bei anderen Unternehmen redliche Fahrer geben, die nicht nur im Sinn haben, Ausländer abzuzocken, doch es gibt einfach zu viele schwarze Taxischafe. Gerade wurde eines von ihnen für fünf Jahre in den Bau gesteckt, er hatte das Pech zwei Interpolbeamten (!!) die Wahnsinnssumme von 6 Millionen VND für eine Fahrt von 10 km abzuverlangen, 150.000 VND wären angemessen gewesen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Beim Busfahren kann einem das nicht passieren. Der Preis ist klar, 3000 Đ für eine Fahrt im riesigen Stadtbereich, etwa 12 Eurocent. Beim Umsteigen jedoch muss erneut ein Buspapierchen gelöst werden. Ich erhalte mein Monatsmärkchen für 80.000 Đ, Schüler und Studenten müssen gar nur 50.000 Đ bezahlen, auch Rentner fahren günstiger. Für’s Busfahren benötigt man Zeit und einen Stadtplan mit den Buslinien, zumindest zu Anfang. Mittlerweile springe ich ohne groß zu überlegen in Busse, weil ich mich auskenne. Allerdings braucht es dabei eine gewisse Portion Unverzagtheit. Wovor man beim Busfahren hier in Hanoi  keine Furcht haben darf, ist es in einen fahrenden Bus zu steigen, bzw. diesen zu verlassen, denn der eigentliche Stop ist kurz und man muss sich sputen. Wehe, die Türen gehen dabei zu, es ist nicht wie bei uns, dass Lichtschranken das Schließen verhindern. Hier ist es einfach nur schmerzhaft in der Tür eingeklemmt zu werden. Auch vor dem Aussteigen sollte man sich positionieren, dabei aber genau auf den jeweiligen Türtyp achten.

Man muss schon etwas härter im Nehmen sein. Klaustrophobische Anwandlungen sind hier von Nachteil, wenn der Bus einmal wieder einer Sardinenbüchse gleicht, was mir aber meist nur auf einer Linie passiert. Mangelnde Orientierungsfähigkeit ist auch schlecht, wenn der Bus urplötzlich von der üblichen Route abweicht, anders fährt, um beispielsweise einen Stau zu umfahren. Beim ersten Mal rutschte mir das Herzchen in die Hose, als ich die Silhouette unseres Wohnkomplexes in der Ferne verschwinden sah, abends, nicht wissend, wo der Bus das nächste Mal halten würde. Die Richtung, die er nahm, war eher entlegen… Nun irgendwann kehrte er zu seiner Route zurück, hatte nur vier Haltestellen überfahren. Gut war, dass ich unser Haus aus der Ferne sehen konnte, dumm war, dass ich einen ziemlichen Fußweg vor mir hatte. Doch man lernt jeden Tag dazu, beim nächsten Mal war ich schlauer, nahm den Bus in die Gegenrichtung, der die normale Route zurückfuhr und stieg dann eben an meiner Haltestelle aus. Das geht aber nicht auf jeder Linie! Nun man ist hier nie vor Überraschungen gefeit. Manchmal fährt ein Bus einfach vorbei ohne anzuhalten, dann ist er entweder bis an die Decke vollgestopft oder, ab und an abends der Fall, der Fahrer hat bald Feierabend und will rechtzeitig am Busdepot ankommen, mögliche Passagiere sind dann Nebensache. Doch mittlerweile kenne ich meine Linien, weiß,  wohin sie mich tragen, weiß um mögliche Überraschungen.
Viel spannender ist es aber eine unbekannte Buslinie zu besteigen und mich überraschen zu lassen, wohin sie mich trägt. Das sind für mich die echten Stadtrundfahrten und so habe ich schon viele Gegenden gesehen, die ich dann später genauer erkundet habe.


Doch das Busfahren hat noch viele weitere Vorteile. Es vergeht kein Tag, an welchem ich nicht in Gespräche verwickelt werde. Manche Begegnungen halten große Überraschungen bereit… Wenn der ältere Herr, für den ich einen Platz freigemacht habe, sich plötzlich als polyglotter Professor entpuppt, der in Dresden an der Hochschule tätig gewesen ist oder die junge Frau neben mir, die mich auf Englisch anspricht, in Strasbourg Architektur studiert hat und natürlich besser Französisch als Englisch spricht.  Es sind auch diese Begegnungen mit wildfremden Menschen, die mich so gern Bus fahren lassen. Zudem ist ein Bus ein ganz spezieller Ort. Wo ist man Menschen so nah und kann sie, ohne dabei aufzufallen, genau betrachten? Ich sehe im Detail, wie sich Vietnamesen kleiden, wie sie sich im Bus benehmen, was sie tun, dabei darf ich mich mit der Lieblingsmusik des jeweiligen Busfahrer beschallen lassen. Ab und an ist sogar mal einer dabei, der klassische Musik mag.
Bei den meisten Ausländern, aber auch bei vielen Vietnamesen stoße ich auf Unverständnis, wenn sie hören, dass ich mit dem Bus unterwegs bin. Die Vietnamesen warnen mich in der Regel vor Taschendiebstahl und sind erstaunt darüber, dass ich mich unter’s normale, eher arme, Volk mische. Bus fahren hier Schüler, Studenten, Rentner, eher Menschen mit geringem Einkommen, also jene, die sich kein Mokick leisten können, wenige, die das nicht wollen. Die Privilegierten, die hier ein Auto besitzen, würden ohnehin nie Bus fahren, das hat etwas mit Status zu tun, bzw. mit dem, was man dafür hält.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich die Bushaltestelle plötzlich leert, alle Wartenden sich möglichst weit von der Straße entfernen. Dann nähert  sich der Wasserwagen, Straßenreinigung auf Vietnamesisch, nicht besonders effizient, denn die Straße wird nur nass und je nach Jahreszeit bleibt sie dann schlammig oder wird schnell wieder trocken, das war´s.

Die Sitzmöglichkeiten an den Haltestellen sind begrenzt und eher unbequem, da sehr schmal und meist sehr niedrig. Doch immer bin ich dankbar dafür.

In jedem Bus gibt es übrigens einen Fahrkartenverkäufer-bzw. Kontrolleur. Die Jungs haben sehr unterschiedliche Arbeitsauffassungen, manche gebärden sich wie kleine Könige, massregeln die Passagiere, andere wiederum sind amüsant und unterhalten die Kundschaft, manche nehmen selbst einen Platz ein, es sind die eher faulen, manche haben dagegen ihr spezielles Höckerchen im Bus festgekettet.

De Zustand der Busse ist sehr unterschiedlich, manche scheinen nur noch von Rost zusammengehalten zu werden, doch immer wieder kommen auch nagelneue Busse zum Einsatz, allerdings sehen die nach kurzer Zeit ähnlich schmuddelig aus, wie die alten, dafür ist die Technik etwas neuer und die Klimaanlage schafft es locker den Bus auf Kühlschranktemperatur herunterzukühlen. Ungefähr 18° C Temperaturunterschied von drinnen nach draußen sind keine Seltenheit, so habe ich auch bei 35°C Außentemperatur IMMER Schal und Jacke dabei und mir dennoch kürzlich eine Erkältung eingefangen, die sich gewaschen hatte.

Hanoi besuchen, ohne einmal Bus gefahren zu sein, heißt etwas verpasst zu haben. Doch dabei bitte immer richtig gut festhalten, wenn man bei den häufigen Bremsmanövern nicht durch den Bus fliegen will. Inte sant farbror Peter?

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Wer von euch Lust hat ein gutes Buch über Vietnam zu lesen, dem sei Kim Thúy: Der Klang der Fremde empfohlen.

Landscapes of Vietnam – Vietnamesische Landschaften

Ich bin vor kurzem in den Genuss einer herrlichen Gemäldeausstellung hier in Hanoi gekommen. Franciszek Ryszrad Mazurek, ein 1951 geborener polnischer Maler, ist im vergangenen Jahr durch Vietnam gereist und hat seine Eindrücke auf Leinwand festgehalten. Seine Motive entstammen also nicht einer vergangenen Epoche, sondern sind wirklich so in Vietnam zu finden. Das macht für mich einen besonderen Reiz seiner Gemälde aus.

Da  ich viel Besuch hatte, viel gearbeitet habe und sogar ein wenig gereist bin, fehlte mir ein wenig die Zeit zum Schreiben und Bilder auswählen. Heute grüße ich euch aus Bangkok. Bald wieder mehr über mein Leben in Hanoi und meine kleinen Fluchten an andere Orte der Welt…

Den Ball flach halten oder was die hessische Kultusministerin Doris Henzler mit Falko Götz zu tun hat…

Die vietnamesische Fußballnationalmannschaft hatte einen deutschen Trainer, muss ich jetzt wohl sagen. Eigentlich wollte ich euch Falko Götz als stolzen Trainer der vietnamesischen Nationalmannschaft präsentieren, der er im Juni 2011 geworden war.

Doch die Realität ändert sich schneller, als ich Bilder hochladen und Artikel verfassen kann. Obwohl nicht erfolglos, ist er leider seit Anfang des Jahres seinen Job hier wieder los. Wie in der deutschen Bundesliga auch, muss es hier einem Trainer binnen Halbjahresfrist gelingen, aus Schlappekickern eine erstklassige Mannschaft zu formen, die sofort alles abräumt. Da das Potential der hiesigen Spieler doch ein wenig geringer ist, als das so mancher Bundesligaprofis, kann das durchaus ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen sein.

 So gab Falko Götz, der den Fußballbegeisterten unter euch vielleicht noch als Spieler in beiden Teilen Deutschlands und als Cheftrainer von Hertha BSC in Erinnerung ist,  hier nur ein kurzes Gastspiel. Da hat auch der über dem Stadium wachende Ho Chi Minh wohl nicht für den richtigen revolutionären Geist bei den Jungs sorgen können.

 Ich habe jedoch Falko Götz´ Gastspiel hier genutzt, um mir einmal das riesige Mỹ Ðinh Stadium anzuschauen, welches ich von unseren Fenstern aus erspähen kann.

Das für 53 Millionen US-Dollar gebaute Vielzweckstadium ist im September 2003 eröffnet worden, dort wurden im folgenden Jahr die Südostasienspiele ausgetragen. Traurige Berühmtheit erlangte es auch bei uns, als es im Oktober 2010, bei Vorbereitungsarbeiten für die 1000-Jahr-Feier Hanois, zu einer Feuerwerksexplosion kam und vier Menschen ihr Leben ließen, darunter zwei deutsche Pyrotechniker. Mein Mann konnte das unfreiwillige Feuerwerk vom Fenster aus sehen.

Ich hatte noch nie ein Trainingsspiel einer Nationalmannschaft gesehen. Ich lebe nach der Devise, dass neue Erfahrungen nicht schaden können. Also nutze ich hier jede Möglichkeit hinter fremde Kulissen zu schauen oder Gelegenheiten wahrzunehmen, die sich so zu Hause nicht bieten, selbst wenn es sich um Fußball dreht. So kommt ihr heute in den Genuss thematisch gänzlich anderer Fotos…ich bin doch durchaus für Überraschungen gut, oder?

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Das Leben hier in der Hauptstadt Vietnams beschert einem mitunter andere Begegnungen als das Alltagsleben als Schulmeister in der deutschen Provinz. Ende der Woche werde ich beispielsweise in Ho Chi Minh Stadt meiner heimischen Dienstherrin begegnen, der hessischen Kultusministerin Doris Henzler. Daheim hat man doch eher selten die Möglichkeit unseren Regierenden einmal Aug in Aug gegenüber zu stehen und vielleicht auch mal ein paar Worte äußern zu können. In Vietnam werden sie mir direkt vor die Linse geflogen, wie schon unsere Bundeskanzlerin  Angela Merkel. Mit Blick auf die katastrophalen Entwicklungen in der hessischen Bildungslandschaft, die  meines Erachtens frei nach der Devise „Das einzig Beständige ist der Wechsel“ durchgeführt werden, fielen mir dazu so einige Äußerungen ein. Wer von euch Lust hat, sich einmal theoretisch mit der gegenwärtigen Reform der Schule, den neu eingeführten Bildungsstandards, kritisch auseinanderzusetzen, dem sei das Reclambändchen „Verstehen lehren“ von Andreas Gruschka wärmstens empfohlen. Wer dazu keine Lust hat, was ich auch verstehen kann, für den sei das folgende Zitat gedacht:

Der Pädagoge Andreas Gruschka sagt: »Es kommt nicht mehr Saft aus einer Zitrone, wenn man mehr presst.«  An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main erforscht er, wie Lehrer unterrichten und wie Kinder lernen. Er meint: Ihr paukt zwar viel, aber Ihr habt nicht viel davon. Euch fehlt die Zeit, wirklich zu kapieren, was die Lehrer Euch erzählen. Und Euch darüber eine eigene Meinung zu bilden. Er sagt: »Die Kinder heute lernen Organisation und Präsentation.« Referate, Wochenpläne – er hält das alles für eine Vorbereitung auf ein kritikloses Büroleben, in dem der Chef in der Tür steht und sagt: »Frau Müller, stellen Sie mir bis Freitag bitte alles über die indischen Märkte zusammen!« (aus: http://www.zeit.de/2011/22/DOS-G8/seite-4)

Zum Ende noch eine traurige Nachricht, die mich in Deutschland wohl völlig kalt gelassen hätte. Unser neuer Botschafter in Hanoi, Claus Wunderlich, der erst im Spätsommer seinen Dienst hier antrat, ist letzte Woche ganz überraschend verstorben. Da ich mit seiner sehr netten Frau schon Kaffee getrunken habe, lässt mich das hier nicht kalt, sondern tut mir unendlich leid für Frau Wunderlich und ihre Kinder.

Was Frau Henzler nun mit Falko Götz zu tun hat, ich denke, die Frage könnt ihr euch selbst beantworten. Allerdings gäbe es darauf sicherlich mehr als nur eine Antwort….

“Vạn sự khởi đầu nan” – aller Anfang ist schwer!!!!!

Chào các bạn!

Các bạn có khoẻ không? Tôi rất khoẻ ở Hà Nội. Hôm qua tôi học tiếng Việt. Tiếng Việt rất khó nhưng thú vị. Tôi đi xe buýt ở Hà Nội. Tôi làm việc ở VOV – Đài Tiếng nói Việt Nam. Bây giờ ở đây trời ấm nhưng độ ẩm rất cao. Tạm biệt.

So, jetzt wisst ihr, dass es mir in Hanoi gut geht, dass ich heute Vietnamesisch lerne, eine schwere, doch interessante Sprache, dass ich hier Bus fahre und beim Radio, der Stimme Vietnams arbeite, außerdem dass es gerade heiß und feucht ist. Gut verständlich, oder?

Weit davon entfernt Vietnamesisch so wie Französisch zu schnattern, habe ich doch mittlerweile die erste Hürde genommen. Ich kann ordentlich grüßen, mich verabschieden, dem Taxifahrer die Richtung weisen, ausdrücken, dass ich etwas nicht will, Preise erfragen, Zahlen verstehen, ergo handeln. Wohl treffe ich nicht immer den richtigen Ton, doch ich werde besser, weil ich mutiger werde. Mutiger den Mund weiter aufzureißen oder Töne zu artikulieren, die im Deutschen nur dem Ausdruck von Ekel vorbehalten sind, hier aber z. B. eine Zustimmung ausdrücken, wie ư. Stellt euch vor, ihr erblickt etwas richtig Ekliges, ihr dreht den Kopf weg, beißt die Zähne aufeinander, öffnet weit den Mund und sagt so einen U-Laut. Jawoll, das – nur etwas kürzer gesprochen – war eine Zustimmung unter Freunden. Mein Erkenntnisgewinn: Es ist möglich mit minimaler Betonung und ohne Ausdruck ein für Normalhörende gut verständliches Deutsch zu sprechen. Das geht im Vietnamesischen nicht! Nun von den Fallstricken der Aussprache habe ja schon kurz berichtet. Nun möchte ich euch einmal ein anschauliches Beispiel geben, was einem blühen kann, wenn man Worte falsch ausspricht:

bạn = Freund                                                   bố = Vater

bận = beschäftigt                                            bồ = Geliebte

bẩn = schmutzig                                             bò = Rind

Es ist verrückt, doch die richtige Aussprache ist so grundlegend für die Bedeutung, dass man einfach nicht verstanden wird, wenn man den Ton nicht korrekt trifft. Im Chinesischen, auch eine Tonsprache, war das lange nicht so schlimm, es gab weniger Aussprachemöglichkeiten und die Existenz von Zweisilbern half oft beim Verstandenwerden. Dass ich jemals Chinesisch in mancher Hinsicht als einfacher als eine andere Sprache bezeichnen würde, hätte ich selbst vor Jahren nicht geglaubt.

Meine erste Übersetzung!

Oben der erste Text, den ich übersetzt habe!!!!

Manchmal schnappe ich beim Zuhören ein mir bekanntes Wort auf und habe ein wenig das Gefühl etwas mitzubekommen. In Texten, auf Werbeplakaten, überall finde ich Worte, die ich verstehe. Auf die Fragen meiner Lehrerin kann ich meist antworten. Nur leider ist ihre Ungeduld manchmal störend. Während ich im Kopf noch Worte sortiere, meint sie mir helfen zu müssen und sagt mir vor. Doch ich sehe es ihr nach, weiß ich doch aus eigener Erfahrung, wie schwierig es mitunter ist geduldig zu sein. Meine Cô Lương ist schon gut, besonders auch weil sie Vietnamesisch nicht nur als Muttersprache hat, sondern die Sprache auch studiert hat. So kann sie mir all meine detaillierten Fragen zur Sprache zufriedenstellend beantworten. Meine Art des  Sprachenlernens setzt sich nämlich aus Sprachaufbau verstehen, Hören, Sprechen,  Schreiben und Üben zusammen und ich kann da sehr pingelig sein.

Ich bewundere Cô Lương ein Stück weit, denn ich hielte die Monotonie des Lehrbuchs, welches sie bei einer Vielzahl von Schülern einsetzt, nicht aus. Bei mir wäre nach dem dritten Durchgang durch ein Lehrwerk Schluss, dann wird es mir nämlich zu langweilig. Gewohnte Pfade zu verlassen, bedeutet mehr Arbeit, aber auch mehr Spaß… für alle Beteiligten. Das Buch kommt aber meiner Vorliebe für Grammatik entgegen, denn es ist in diesem Bereich sehr umfassend und genau, wenn auch etwas ungeordnet. Weniger genau ist es auch hinsichtlich des einzuführenden Vokabulars. Ganz häufig kommt es vor, dass in Texten oder Übungen Worte vorkommen, die man noch nicht gelernt hat, ein Glossar gibt es leider nicht.  Das macht das Lernen ein wenig schwierig, doch ich bin hart im Nehmen. Mein Lehrbuch ist also in dieser Hinsicht ebenso gründlich (sic!) bearbeitet worden, wie die unten abgebildete Grammatik.

Jetzt wende ich mich aber einem anderen grundlegenden Phänomen der vietnamesischen Sprache zu: den Personalpronomen… einer verflixten Sache, zumindest am Anfang. Vielleicht geht der Gebrauch irgendwann einmal in Fleisch und Blut über, wenn man lang genug hier ist. Doch am besten hat man ihn gleich mit der Muttermilch eingesogen…, hab ich natürlich nicht. In der Regel ist eine der ersten Fragen, die Vietnamesen an Ausländer richten, die nach dem Alter. Ich hielt es für Neugier, doch weit gefehlt! Das Wissen um das Alter des Gegenübers hilft den Menschen hier dem Gesprächspartner seinen Platz zuzuweisen und damit gleichzeitig die richtige, höfliche Anrede zu finden. Diese ist von großer Wichtigkeit und schnell kann man hier einen Fauxpas begehen. Also Achtung!

Es wäre ja fein, wenn man einfach einen Katalog von Personalpronomen lernen könnte, doch so einfach wird es einem nicht gemacht. Das Personalpronomen wechselt mit meiner Beziehung zu meinem Gegenüber. Ein deutsches Du kann hier hier vielerlei Ausprägungen haben. Spreche ich ein Kind an, sage ich cháu, spreche ich einen jüngeren Menschen, egal welchen Geschlechts, an, sage ich em, meine Lehrerin nenne ich , eine Frau, die älter als ich ist, nenne ich chị, ein Mann, der älter als ich, ist anh, eine alte Frau , ein alter Mann ông, einen gleichaltrigen, wirklich gleichaltrigen,  Freund rede ich mit bạn an. Insofern ist meine Anrede oben nicht korrekt, doch ich wollte mir ersparen, euch alle einzeln mit der richtigen Anrede zu begrüßen… So, jetzt höre ich hier auf, aber denkt nicht, dass ich das Thema schon erschöpfend behandelt habe, es gibt noch so einige weitere Personalpronomen für ein einfaches Du. Auch mein Ich ist dadurch immer wieder ein anderes… Doch das erspare ich euch, obige Beispiele verdeutlichen die Problematik hinreichend, nicht wahr?

Dieses System durchzieht die ganze Sprache, findet in allen Strukturen Anwendung und muss unbedingt beherrscht werden. Es ist nicht nur grundlegend für das Sprachverständnis, sondern gibt auch einen guten Einblick in die Strukturen der vietnamesischen Gesellschaft.

Hier seht ihr das Cover meines mit Busfahrkarten selbst gestalteten Lernbuchs. Da das gelbe Lehrbuch etwas unübersichtlich ist, bringe ich mein Wissen in für mich verständliche Form.        Das Schöne an der Beschäftigung mit dem Aufbau einer fremden Sprache ist die Erkenntnis über die eigene Sprache bzw. über Sprachen, die man einigermaßen beherrscht. So war ich zunächst entsetzt über die Vielzahl von Möglichkeiten im Vietnamesischen  Ja zu sagen. Doch beim tieferen Nachdenken fielen mir eine Unmenge von Formulierungen  in meiner Muttersprache ein, um eine Bejahung auszudrücken. Das ist sozusagen gelebte Komparatistik. Mir macht so etwas viel Spaß!

Dabei hatte ich zunächst garnicht vor in meinem Freijahr Vietnamesisch zu lernen, da der Nutzen der Kenntnis dieser Sprache nach meiner Rückkehr doch arg begrenzt ist. Stattdessen wollte ich mein Chinesisch wieder etwas aufbürsten. Doch ganz schnell habe ich gemerkt, dass ich nicht ohne Sprache in einem fremden Land leben kann. Um eine andere Kultur auch nur in Ansätzen zu verstehen, sind für mich auf jeden Fall grundlegende Sprachkenntnisse unabdingbar.

Man unterliegt leicht dem Irrtum vietnamesische Worte einfach lesen zu können, da die Sprache sich lateinischer Buchstaben bedient. Doch da neben der oben aufgezeigten Ausspracheproblematik auch viele Buchstabenkombinationen von Konsonanten anders als bei uns ausgesprochen werden, sollte man das nicht unbedarft ausprobieren. Zumindest diese Aussprache hatte ich schnell intus, doch das ist ein anderes sprachliches Kapitel, die Lektion für heute ist beendet.

Nun, ihr seht,   ich freue mich über jedes Wort, das mir hier eine neue Welt des Verstehens eröffnet. Ich renne nicht mehr blind durch die Gegend, sondern finde überall immer mehr Worte, die ich kenne.

Beim Sprechen bedarf es meist noch mehrerer Anläufe bis man mich versteht, doch zur Not schreibe ich das Gemeinte einfach auf und wenn ich dann die Akzente nicht mit dem Salzstreuer gesetzt habe, werde ich auch verstanden!

Tạm biệt!