Den Ball flach halten oder was die hessische Kultusministerin Doris Henzler mit Falko Götz zu tun hat…

Die vietnamesische Fußballnationalmannschaft hatte einen deutschen Trainer, muss ich jetzt wohl sagen. Eigentlich wollte ich euch Falko Götz als stolzen Trainer der vietnamesischen Nationalmannschaft präsentieren, der er im Juni 2011 geworden war.

Doch die Realität ändert sich schneller, als ich Bilder hochladen und Artikel verfassen kann. Obwohl nicht erfolglos, ist er leider seit Anfang des Jahres seinen Job hier wieder los. Wie in der deutschen Bundesliga auch, muss es hier einem Trainer binnen Halbjahresfrist gelingen, aus Schlappekickern eine erstklassige Mannschaft zu formen, die sofort alles abräumt. Da das Potential der hiesigen Spieler doch ein wenig geringer ist, als das so mancher Bundesligaprofis, kann das durchaus ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen sein.

 So gab Falko Götz, der den Fußballbegeisterten unter euch vielleicht noch als Spieler in beiden Teilen Deutschlands und als Cheftrainer von Hertha BSC in Erinnerung ist,  hier nur ein kurzes Gastspiel. Da hat auch der über dem Stadium wachende Ho Chi Minh wohl nicht für den richtigen revolutionären Geist bei den Jungs sorgen können.

 Ich habe jedoch Falko Götz´ Gastspiel hier genutzt, um mir einmal das riesige Mỹ Ðinh Stadium anzuschauen, welches ich von unseren Fenstern aus erspähen kann.

Das für 53 Millionen US-Dollar gebaute Vielzweckstadium ist im September 2003 eröffnet worden, dort wurden im folgenden Jahr die Südostasienspiele ausgetragen. Traurige Berühmtheit erlangte es auch bei uns, als es im Oktober 2010, bei Vorbereitungsarbeiten für die 1000-Jahr-Feier Hanois, zu einer Feuerwerksexplosion kam und vier Menschen ihr Leben ließen, darunter zwei deutsche Pyrotechniker. Mein Mann konnte das unfreiwillige Feuerwerk vom Fenster aus sehen.

Ich hatte noch nie ein Trainingsspiel einer Nationalmannschaft gesehen. Ich lebe nach der Devise, dass neue Erfahrungen nicht schaden können. Also nutze ich hier jede Möglichkeit hinter fremde Kulissen zu schauen oder Gelegenheiten wahrzunehmen, die sich so zu Hause nicht bieten, selbst wenn es sich um Fußball dreht. So kommt ihr heute in den Genuss thematisch gänzlich anderer Fotos…ich bin doch durchaus für Überraschungen gut, oder?

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Das Leben hier in der Hauptstadt Vietnams beschert einem mitunter andere Begegnungen als das Alltagsleben als Schulmeister in der deutschen Provinz. Ende der Woche werde ich beispielsweise in Ho Chi Minh Stadt meiner heimischen Dienstherrin begegnen, der hessischen Kultusministerin Doris Henzler. Daheim hat man doch eher selten die Möglichkeit unseren Regierenden einmal Aug in Aug gegenüber zu stehen und vielleicht auch mal ein paar Worte äußern zu können. In Vietnam werden sie mir direkt vor die Linse geflogen, wie schon unsere Bundeskanzlerin  Angela Merkel. Mit Blick auf die katastrophalen Entwicklungen in der hessischen Bildungslandschaft, die  meines Erachtens frei nach der Devise „Das einzig Beständige ist der Wechsel“ durchgeführt werden, fielen mir dazu so einige Äußerungen ein. Wer von euch Lust hat, sich einmal theoretisch mit der gegenwärtigen Reform der Schule, den neu eingeführten Bildungsstandards, kritisch auseinanderzusetzen, dem sei das Reclambändchen „Verstehen lehren“ von Andreas Gruschka wärmstens empfohlen. Wer dazu keine Lust hat, was ich auch verstehen kann, für den sei das folgende Zitat gedacht:

Der Pädagoge Andreas Gruschka sagt: »Es kommt nicht mehr Saft aus einer Zitrone, wenn man mehr presst.«  An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main erforscht er, wie Lehrer unterrichten und wie Kinder lernen. Er meint: Ihr paukt zwar viel, aber Ihr habt nicht viel davon. Euch fehlt die Zeit, wirklich zu kapieren, was die Lehrer Euch erzählen. Und Euch darüber eine eigene Meinung zu bilden. Er sagt: »Die Kinder heute lernen Organisation und Präsentation.« Referate, Wochenpläne – er hält das alles für eine Vorbereitung auf ein kritikloses Büroleben, in dem der Chef in der Tür steht und sagt: »Frau Müller, stellen Sie mir bis Freitag bitte alles über die indischen Märkte zusammen!« (aus: http://www.zeit.de/2011/22/DOS-G8/seite-4)

Zum Ende noch eine traurige Nachricht, die mich in Deutschland wohl völlig kalt gelassen hätte. Unser neuer Botschafter in Hanoi, Claus Wunderlich, der erst im Spätsommer seinen Dienst hier antrat, ist letzte Woche ganz überraschend verstorben. Da ich mit seiner sehr netten Frau schon Kaffee getrunken habe, lässt mich das hier nicht kalt, sondern tut mir unendlich leid für Frau Wunderlich und ihre Kinder.

Was Frau Henzler nun mit Falko Götz zu tun hat, ich denke, die Frage könnt ihr euch selbst beantworten. Allerdings gäbe es darauf sicherlich mehr als nur eine Antwort….

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