Der Muschelmietwohnungsmarkt oder vom Faszinosum des Einsiedlerkrebses

Wir hatten uns für’s TET-Fest nach Macleod ins Mergui Archipel von Burma verabschiedet und hielte ich die Reihenfolge ein, müsste ich erst etwas über unser Inselchen jenseits der Zivilisation berichten. Doch zunächst möchte ich euch mit wunderbaren Wesen bekannt machen, die mir als Erste – insofern halte ich mich doch an die zeitliche Abfolge – im Pudersand von Macleod vor die Füße liefen… laufende Muscheln sozusagen.

Doch ich wusste schon Bescheid, laufende Muscheln kommen für meine Sammelleidenschaft auf gar keinen Fall in Frage, denn sie haben schon einen Eigentümer, bzw. einen Bewohner, den Einsiedlerkrebs, gefunden und sind dementsprechend tabu.

Schon Aristoteles, der in seiner Historia Animalium von dieser eigentümlichen Kreatur schrieb, die seiner Auffassung nach aus Erde und Schleim entstanden sei, wunderte sich darüber, wie dieser merkwürdige Krebs ein Meeresschneckengehäuse zu seinem Heim machen konnte. Einsiedlerkrebse gehören mit Krabben, Langusten und Seepocken zur Gattung der Crustacea. Es gibt weltweit mehr als 30.000 Arten, die an ihren beiden Fühlerpaaren, dem harten Exoskelett und den segmentierten Beinen zu erkennen sind. Der Körper selbst besteht aus zwei Teilen, vorne die Kopfbrust (Cephalothorax) und hinten der Hinterleib (Adomen). Gerade dieser Hinterleib macht den Einsiedlerkrebs so unverwechselbar. Mir macht es viel Spass, den kleinen Gesellen zuzusehen, wie sie ihre Spuren durch den Sand ziehen.

Mitunter hat man das Gefühl von Großstadtverkehr, wenn man die Menge der sich kreuzenden Spuren am Strand sieht. Einsiedlerkrebse sind, wie wir Menschen auch, von sehr unterschiedlichem Gemüt. Manch einer verschwindet schon in seiner Muschel, wenn man sich ihm nur auf drei Meter nähert und wagt sich erst nach langer Zeit ganz vorsichtig aus seiner Behausung.

Andere sind Draufgänger, mutige Gesellen, schauen gleich, wer das das eigene Haus neugierig befingert… und sie sind durchaus wehrhaft. Ein sehr couragierter Winzling hat mich so schnell fest in die Finger gezwickt, dass ich die Hand blitzschnell zurückzog, doch das Kerlchen hatte nicht etwa locker gelassen und so hab ich ihn mit einem Ruck aus seiner Behausung befördert. Ganz nackert hing er an meinen Fingern… voller Scham, nicht, weil ich noch nie einen nackten Einsiedlerkrebs gesehen hatte, sondern aus Scham über mein unüberlegtes Verhalten, setzte ich ihn sogleich neben seine Muschel und ganz schnell hat er sein weiches, verletzbares Hinterteil wieder hineingeschoben. Wahrscheinlich hat er mich noch mit einer Verwünschung bedacht und ist hernach von dannen gekrabbelt.

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Das weiche Hinterteil des Einsiedlerkrebses ist relativ groß, asymmetrisch und besitzt eine Art Schwanzfächer um das Tierchen im Muschelgehäuse festzuhalten. Die rauhe Oberfläche des Schwanzfächers hilft dabei, den nötigen Halt zu erzielen. Alle Krebstiere, auch die Einsiedlerkrebse, häuten ihre kalkige Außenhülle, wenn sie wachsen. Hat ein Einsiedlerkrebs seine alte Außenhülle abgeworfen, zieht er sich mit der neuen, noch weichen Außenhaut in ein neues Gehäuse zurück um sie aushärten zu lassen. Manche Arten passen dabei ihre Schere perfekt an die Gehäuseöffnung an. Die perfekte „Tür“ schützt gegen Räuber und bei den Einsiedlerkrebsen an Land auch gegen Austrocknung. Nach der ersten Häutung zieht der Krebs seine noch weiche Schere gegen die Gehäuseöffnung. Beim Aushärten und Verkalken der Schere entsteht so der perfekte Verschluss.

Doch auch ein Einsiedlerkrebs wächst und schnell ist es an der Zeit, sich nach einer neuen Wohnung umzusehen. So einfach ist das nicht. Das weiß jeder, der selbst schon einmal eine neue Wohnstatt gesucht hat. Die Größe, das Aussehen und natürlich das Wohngefühl sind maßgebliche Faktoren für die Entscheidung eine neue Wohnung zu beziehen, Verfügbarkeit natürlich vorausgesetzt! Das ist bei uns nicht anders als bei den Einsiedlerkrebsen. Wenn sich ein Einsiedlerkrebs auf die Suche macht, so wird eine potentielle Behausung genaustens untersucht. Mit Schere oder Bein wird erst überprüft, ob jemand zu Hause ist. Danach wird die Qualität des neuen Schneckenhauses überprüft. Es muss sich leicht bewegen lassen, geräumig, nicht zu schwer sein und eine geeignete Öffnung haben. Einsiedlerkrebse sind in der Lage Gewichtsunterschiede von Gehäusen gleicher Art zu erfühlen, um kein zu schweres neues Heim auszuwählen. Ist die Entscheidung für ein Schneckengehäuse gefallen, drückt sich der Einsiedlerkrebs an das neue Gehäuse, zieht blitzschnell sein verletzbares Hinterteil heraus und schiebt es vorsichtig in die neue Bleibe. Passt es nicht genau, werden andere Möglichkeiten erwogen. Die Wahl des richtigen Gehäuses folgt einem Instinkt, der schon bei jungen Einsiedlerkrebsen voll ausgeprägt ist. Insofern haben sie uns gegenüber bei der Wahl eines neuen Quartiers einen entschiedenen Vorteil! Wie bei uns Menschen auch, ist die Konkurrenz um eine neue Wohnung groß. Sie kann bei Einsiedlerkrebsen durchaus zu Verlust von Scheren, Beinen oder Fühlern führen. Besonders der Verlust der Schere kann für den Krebs schwerwiegende Folgen haben. Stellt euch vor, eure Wohnungstür käme euch so einfach abhanden…            

Die Veränderungen der Lebensbedingungen machen sich auch bei manchen Einsiedlerkrebsen bemerkbar. Sie bevorzugen die Leichtbauweise, wie dieser riesige Einsiedlerkrebs, der ein Verjüngungsstück des Wasserleitungsrohrs zu seinem Fertighaus erkoren hat. Dass jenes lang nicht so gut geeignet ist, wie eine Bleibe aus Naturmaterialien, wird er wohl noch lernen müssen. Nur seine schiere Größe hat ihn wohl davor bewahrt, von einem der Rabenvögel auf der Insel aus der Plastik“mupfel“ gezogen zu werden, denn sie machen mit Vorliebe Jagd auf die zumeist kleinen Gesellen, die sich der Schätze des Meeres bedienen. Mich faszinieren diese herrlichen Tierchen und daran wollte ich euch teilhaben lassen! Leider habe ich immer noch nicht kapiert, wie ich die Bilder, die ich den Fließtext einfüge, aus der Diashow raushalte… sei`s drum!

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