MINGALABA – Glück mit dir – zwei Wochen ohne Schuhe und Geld

Mit dem Flieger nach Bangkok, weiter nach Phuket, von dort mit dem Auto vier Stunden Richtung Norden nach Ranong an der thailändisch-burmesischen Grenze. Dort in einem Holzschuppen den Ausreisestempel in den Pass bekommen und mit einem nicht sonderlich vertrauenswürdigen Holzboot mit Stabmixer – einem Motor an einer langen Metallstange – nach Kaw Thoung in Myanmar übergesetzt.

Das Boot war voller kleiner Kakerlaken und ich dachte schon mit Grausen, wir würden nun mehr als zwei Stunden in dieser Nussschale sitzen.

Doch in Kaw Thoung wechselten wir in ein Motorboot, welches sich auch ein wenig schneller über das Wasser bewegte.

Unsere Reisepässe mussten wir mit recht mulmigem Gefühl bei den Hafenbehörden abgegeben und 110 $ Einreisegebühr pro Nase entrichten. Das Mergui Archipel, ungefähr 800 Inseln in der Andamensee, auch Myeik Archipel auf Burmesisch, ist ein Naturschutzgebiet und das lässt sich die burmesische Junta gut bezahlen. Allerdings muss man sagen, dass die burmesische Marine hier auch den illegalen Fischfang und die Dynamitfischerei bekämpft. Möglicherweise der einzige Weg, dass dieser noch recht unberührte Fleck einigermassen intakt bleibt. Nun ging`s also los. So sehr ich das Meer mag, so wenig kann ich mich für längere Bootsfahrten erwärmen, besonders in kleinen Booten. Im Gegensatz zu meinem seebärigen Mann, dessen Wohlbefinden mit der Wellenhöhe steigt, verhält es sich bei mir genau umgekehrt. Ab und an tauchte ein hölzernes Fischerboot auf, was mich immer froh stimmte. Besonders als zwischendurch ein schrilles Pfeifen signalisierte, dass sich wahrscheinlich irgendwelcher Unrat vor dem Kühlwasserstutzen verfangen hatte. Doch nach kurzer Pause lief der Motor wieder und es ging weiter. Von Ferne sah man die traumhaften Strände der Inselchen, vollkommen menschenleer.  Hier in diesem Gebiet leben die Moken, auch Seenomaden genannt, die den Großteil ihres Lebens auf ihren Booten verbringen.

An einem ebensolchen Strand landeten wir dann schliesslich auch an. Endlich!!!! Ein selbstgebauter Schwimmponton wurde ans Boot gezogen, mit dem man dann langsam Richtung Strand glitt.

Die letzten Schritte jedoch waren schon ohne Schuhe, vom Ponton direkt ins Wasser und dann in den weißen Sand, wirklich weich wie Puder. Die Tauchbasis auf Macleod ist die erste in ganz Burma. Das Inselchen gehört einem burmesischen General, der es zu seiner Pensionierung von der Regierung geschenkt bekam. Er wollte ein Ferienresort für wohlhabende Asiaten daraus machen, hatte sich aber die falsche Zielgruppe ausgesucht. Auf der Insel ist nichts außer Tauchen und Abhängen am Strand möglich, und die Ausstattung ist auch nicht unbedingt mit guten Hotels zu vergleichen. So kam das Resort schließlich in die Hände eines Tauchveranstalters aus der Schweiz.

Leider ist unser Urlaub auf Macleod ist ein wenig anders als geplant verlaufen. Auch wenn das Inselchen in Myanmar liegt, war schon klar, dass wir fast nichts vom Land sehen würden, denn dafür war das Festland viel zu weit entfernt. Zudem war ein reiner Tauchurlaub geplant. Der wurde durch eine Erkrankung meines Mannes hinfällig. Ich selbst habe einige Tauchgänge gemacht, doch am liebsten tauche ich mit meinem Buddy. Dies ganz besonders, wenn die Bedingungen etwas rauher sind. Fast jeder zweite Tauchgang war hier ein Strömungstauchgang mit oft schlechter Sicht. Da fühlt man sich dann so etwa wie in einer Waschmaschine im Vollwaschgang. Die anderen Tauchgänge waren jedoch herrlich, man merkt der Unterwasserwelt an, wie unberührt sie ist. Noch nie vorher habe ich beim Tauchen so viele Porzellanmuscheln gesehen und vor allem riesige Schnecken in einer atemberaubenden Vielzahl. Möge diese Unterwasserwelt hier noch lange so erhalten bleiben…

So konnten wir scheinbar unendliche Tage an einem Traumstrand verbringen, eigentlich nicht so meine Art des Urlaubs, und ich kam auf ein gelesenes Buch pro Tag. Doch so habe ich sehr viel über Myanmar erfahren und bin nun mehr als neugierig auf den Rest des Landes. Vielleicht schaffe ich es vor meiner Heimkehr noch, dies sich wandelnde Land zu besuchen.

Macleod ist fast gänzlich mit Dschungel bedeckt und ist somit ziemlich undurchdringlich. Einzig einen, in den Dschungel geschlagenen, schmalen Pfad zum Gipfel der Insel gibt es, der jedoch ganz schnell wieder zuwuchert. Nun, die Bucht von oben wollte ich mir schon ansehen… Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine solch anspruchsvolle Wanderung, man sollte es besser Klettertour nennen,  unternommen habe. Nach nächtlichen Regenfällen waren Waldboden und Wurzelwerk glitschig, der Pfad oft aus losen Stein bestehend, die auch noch mit  Laub bedeckt waren. Der Pfad war mitunter so steil, das wir uns an Seilen hochziehen mussten, der Absteig daran war jedoch noch etwas prickelnder, denn das musste rückwärts geschehen. Meine geschundenen Hände sind jetzt erst wieder verheilt!

Viel Viehzeug ist uns natürlich auch begegnet, riesige Spinnen hingen in ihren Netzen, die den Weg versperrten und umgehängt wurden. Neben der Aufmerksamkeit, die man dem Weg widmete, musste man immer auch schauen, was einem da noch in den Weg kommen konnte. Einen großen Schreck haben mir wilde Bienen eingejagt, die sich zunächst in aller Ruhe an einem Ast knäulten, weit genug entfernt, dachte ich. Plötzlich sausten sie los. Erstaunlich, wie flott ich dann viele Meter des Weges hoch gekommen bin. Angst verleiht Flügel. Dann endlich oben, traumhafte Ausblicke in alle Himmelsrichtungen. Unzählige Weißkopfseeadler und Nashornvögel glitten durch die Lüfte. Welch ein herrlicher Anblick… Auf dem Rückweg begegnete uns dieser Waran, ein ganz ordentlicher Brocken.

So vergingen die Tage mit Schnorcheln, Tiere beobachten, Fotografieren, Schwimmen und Lesen.

Unser kecker Mitbewohner, gerade mal 2 cm lang, der gern auf uns spazieren ging.Hier unser kecker Mitbewohner, gerade mal 2 cm lang, der gerne auf uns herumspazierte.

Einmal habe ich mich mit Thanaka, dem Holz des indischen Holzapfels (Limonia acidissima), das mit Wasser zu einer Paste zerrieben, vor allem für die Kühlung und den Schutz des Gesichtes vor der Sonne verwendet wird, einreiben lassen.

Die meisten burmesischen Frauen hier haben die Spuren des gelblichen Pulvers im Gesicht und auf dem Körper, wohl auch in Ermanglung von anderen Kosmetikprodukten.  Es sollte auch gegen Mückenstiche helfen. Ich sah lustig danach aus, das Jucken der Stiche hatte leider nicht abgenommen, und mein Mann machte sich über mein Aussehen lustig.

Mingalaba wird einem meistens als das burmesische „Guten Tag!“ verkauft. Doch eine Begrüßung ist im Burmesischen eher unüblich. Allenfalls wird ein einleitendes „Schon gegessen?“ oder ein „Gut geht’s, oder?“ vorausgeschoben. Mingalaba bedeutet schlicht und einfach „Glück oder Segen mit dir!“ und das gefällt mir.

Ihr werdet euch wohl wundern, dass ich von Myanmar rede und dann als Adjektiv burmesisch verwende. Doch das Adjektiv myanmarisch ist mir ein Wortungetüm, auch wenn das Land seit 1989 offiziell Myanmar (amtlich Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw) heißt.

Alle Bilder in meinem Blog sind selbst geschossen. Die Unterwasserbilder allerdings stammen dankenswerterweise von Dirk Distelkamp und Alexander Steckler. Wir haben unsere Unterwasserkamerausrüstung noch nicht an das digitale Zeitalter angepasst, was aber jetzt schnellstens passieren wird.

Ich bin sehr gespannt, wie sich Myanmar in der kommenden Zeit entwickeln wird und hoffe sehr, dass die „Lady“, Daw Aung San Suu Kyi, wie ihr Volk sie voller Hochachtung nennt, endlich die Möglichkeit haben wird, diese Menschen  in eine freie und hoffentlich gute Zukunft zu führen. Vielleicht werden dann auch  die 80% des Staatshaushaltes, die in Miltitärausgaben fließen, endlich reduziert und einem verbesserten Gesundheitssystem zufließen, welches im Moment gerade einmal 3% des Staatsbudgets beträgt. (Jotow/Ganz: Burma. London 2009)

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                                                            MINGALABA

Der Muschelmietwohnungsmarkt oder vom Faszinosum des Einsiedlerkrebses

Wir hatten uns für’s TET-Fest nach Macleod ins Mergui Archipel von Burma verabschiedet und hielte ich die Reihenfolge ein, müsste ich erst etwas über unser Inselchen jenseits der Zivilisation berichten. Doch zunächst möchte ich euch mit wunderbaren Wesen bekannt machen, die mir als Erste – insofern halte ich mich doch an die zeitliche Abfolge – im Pudersand von Macleod vor die Füße liefen… laufende Muscheln sozusagen.

Doch ich wusste schon Bescheid, laufende Muscheln kommen für meine Sammelleidenschaft auf gar keinen Fall in Frage, denn sie haben schon einen Eigentümer, bzw. einen Bewohner, den Einsiedlerkrebs, gefunden und sind dementsprechend tabu.

Schon Aristoteles, der in seiner Historia Animalium von dieser eigentümlichen Kreatur schrieb, die seiner Auffassung nach aus Erde und Schleim entstanden sei, wunderte sich darüber, wie dieser merkwürdige Krebs ein Meeresschneckengehäuse zu seinem Heim machen konnte. Einsiedlerkrebse gehören mit Krabben, Langusten und Seepocken zur Gattung der Crustacea. Es gibt weltweit mehr als 30.000 Arten, die an ihren beiden Fühlerpaaren, dem harten Exoskelett und den segmentierten Beinen zu erkennen sind. Der Körper selbst besteht aus zwei Teilen, vorne die Kopfbrust (Cephalothorax) und hinten der Hinterleib (Adomen). Gerade dieser Hinterleib macht den Einsiedlerkrebs so unverwechselbar. Mir macht es viel Spass, den kleinen Gesellen zuzusehen, wie sie ihre Spuren durch den Sand ziehen.

Mitunter hat man das Gefühl von Großstadtverkehr, wenn man die Menge der sich kreuzenden Spuren am Strand sieht. Einsiedlerkrebse sind, wie wir Menschen auch, von sehr unterschiedlichem Gemüt. Manch einer verschwindet schon in seiner Muschel, wenn man sich ihm nur auf drei Meter nähert und wagt sich erst nach langer Zeit ganz vorsichtig aus seiner Behausung.

Andere sind Draufgänger, mutige Gesellen, schauen gleich, wer das das eigene Haus neugierig befingert… und sie sind durchaus wehrhaft. Ein sehr couragierter Winzling hat mich so schnell fest in die Finger gezwickt, dass ich die Hand blitzschnell zurückzog, doch das Kerlchen hatte nicht etwa locker gelassen und so hab ich ihn mit einem Ruck aus seiner Behausung befördert. Ganz nackert hing er an meinen Fingern… voller Scham, nicht, weil ich noch nie einen nackten Einsiedlerkrebs gesehen hatte, sondern aus Scham über mein unüberlegtes Verhalten, setzte ich ihn sogleich neben seine Muschel und ganz schnell hat er sein weiches, verletzbares Hinterteil wieder hineingeschoben. Wahrscheinlich hat er mich noch mit einer Verwünschung bedacht und ist hernach von dannen gekrabbelt.

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Das weiche Hinterteil des Einsiedlerkrebses ist relativ groß, asymmetrisch und besitzt eine Art Schwanzfächer um das Tierchen im Muschelgehäuse festzuhalten. Die rauhe Oberfläche des Schwanzfächers hilft dabei, den nötigen Halt zu erzielen. Alle Krebstiere, auch die Einsiedlerkrebse, häuten ihre kalkige Außenhülle, wenn sie wachsen. Hat ein Einsiedlerkrebs seine alte Außenhülle abgeworfen, zieht er sich mit der neuen, noch weichen Außenhaut in ein neues Gehäuse zurück um sie aushärten zu lassen. Manche Arten passen dabei ihre Schere perfekt an die Gehäuseöffnung an. Die perfekte „Tür“ schützt gegen Räuber und bei den Einsiedlerkrebsen an Land auch gegen Austrocknung. Nach der ersten Häutung zieht der Krebs seine noch weiche Schere gegen die Gehäuseöffnung. Beim Aushärten und Verkalken der Schere entsteht so der perfekte Verschluss.

Doch auch ein Einsiedlerkrebs wächst und schnell ist es an der Zeit, sich nach einer neuen Wohnung umzusehen. So einfach ist das nicht. Das weiß jeder, der selbst schon einmal eine neue Wohnstatt gesucht hat. Die Größe, das Aussehen und natürlich das Wohngefühl sind maßgebliche Faktoren für die Entscheidung eine neue Wohnung zu beziehen, Verfügbarkeit natürlich vorausgesetzt! Das ist bei uns nicht anders als bei den Einsiedlerkrebsen. Wenn sich ein Einsiedlerkrebs auf die Suche macht, so wird eine potentielle Behausung genaustens untersucht. Mit Schere oder Bein wird erst überprüft, ob jemand zu Hause ist. Danach wird die Qualität des neuen Schneckenhauses überprüft. Es muss sich leicht bewegen lassen, geräumig, nicht zu schwer sein und eine geeignete Öffnung haben. Einsiedlerkrebse sind in der Lage Gewichtsunterschiede von Gehäusen gleicher Art zu erfühlen, um kein zu schweres neues Heim auszuwählen. Ist die Entscheidung für ein Schneckengehäuse gefallen, drückt sich der Einsiedlerkrebs an das neue Gehäuse, zieht blitzschnell sein verletzbares Hinterteil heraus und schiebt es vorsichtig in die neue Bleibe. Passt es nicht genau, werden andere Möglichkeiten erwogen. Die Wahl des richtigen Gehäuses folgt einem Instinkt, der schon bei jungen Einsiedlerkrebsen voll ausgeprägt ist. Insofern haben sie uns gegenüber bei der Wahl eines neuen Quartiers einen entschiedenen Vorteil! Wie bei uns Menschen auch, ist die Konkurrenz um eine neue Wohnung groß. Sie kann bei Einsiedlerkrebsen durchaus zu Verlust von Scheren, Beinen oder Fühlern führen. Besonders der Verlust der Schere kann für den Krebs schwerwiegende Folgen haben. Stellt euch vor, eure Wohnungstür käme euch so einfach abhanden…            

Die Veränderungen der Lebensbedingungen machen sich auch bei manchen Einsiedlerkrebsen bemerkbar. Sie bevorzugen die Leichtbauweise, wie dieser riesige Einsiedlerkrebs, der ein Verjüngungsstück des Wasserleitungsrohrs zu seinem Fertighaus erkoren hat. Dass jenes lang nicht so gut geeignet ist, wie eine Bleibe aus Naturmaterialien, wird er wohl noch lernen müssen. Nur seine schiere Größe hat ihn wohl davor bewahrt, von einem der Rabenvögel auf der Insel aus der Plastik“mupfel“ gezogen zu werden, denn sie machen mit Vorliebe Jagd auf die zumeist kleinen Gesellen, die sich der Schätze des Meeres bedienen. Mich faszinieren diese herrlichen Tierchen und daran wollte ich euch teilhaben lassen! Leider habe ich immer noch nicht kapiert, wie ich die Bilder, die ich den Fließtext einfüge, aus der Diashow raushalte… sei`s drum!